Minivanfahrt mit unerwartetem Ausgang

Ich brauche wohl nicht noch einmal zu erwähnen, dass ich ungerne Minivan fahre. Um nach Vang Vieng zu kommen, blieb mir leider nichts anderes übrig. Entsprechend schlecht war meine Stimmung, als ich mit dem Sammeltaxi am Hostel abgeholt wurde. Ich war die Erste an Bord und nicht wirklich offen für Gespräche. An der Bushaltestelle verwickelte mich ein alleine Reisender dann doch in eine Unterhaltung. Ich erfuhr, dass er eigentlich aus Kolumbien kommt, aber seit zehn Jahren in San Francisco wohnt. Er mochte auch keine Minivanfahrten und wurde mir so langsam sympathisch. Wir beschlagnahmten die hinterste Rückbank für uns, in der Hoffnung den Platz zwischen uns frei zu behalten. Wie zu erwarten war, wurde der Van aber bis auf den letzten Platz besetzt. Schließlich saß ein Südafrikaner zwischen uns und erzählte Carlos, dem Kolumbianer, seine halbe Lebensgeschichte. Damit war unsere Unterhaltung fürs Erste zu Ende.

Die Straßen in Laos sind oft in sehr schlechtem Zustand. Teilweise sind es nur Schotterpisten mit vereinzelten Resten von früherem Straßenbelag. Besonders im Norden schlängeln sie sich serpentinenartig entlang der Berghänge. Erdrutsche sind keine Seltenheit. Es kann einfach ein Stück der Straße weggebrochen oder aber durch Gesteinsmassen versperrt sein. Liegengebliebene Laster säumen die ohnehin schon schmalen Straßen und zerfallen einfach, sich selbst überlassen.

Nach etwas mehr als der Hälfte der Strecke stiegen Leute aus dem Minivan aus und der Südafrikaner, Graig, setzte sich nach vorne zu seiner Freundin. Carlos und ich breiteten uns im Heck aus und unterhielten uns gut.So holperten und kurvten wir im Schneckentempo unserem Ziel entgegen. Draußen wurde es langsam dunkel und wir erlebten einen tollen Sonnenuntergang in den Bergen.

Plötzlich stoppte der Van. Wir verstanden erst nicht warum. Als wir aber nach vorne schauten, sahen wir einen verunglückten Mopedfahrer im Scheinwerferlicht. Der Mann lag mit dem Gesicht nach unten auf der Straße und bewegte sich nicht. Wir waren alle geschockt und überzeugt, er sei tot.

Nach und nach stiegen wir aus dem Wagen. Einer unserer Mitreisenden war Medizinstudent. Er untersuchte den Verunglückten. Der Mann lebte und kam nach einer Weile zu sich. Schließlich rappelte er sich auf und wollte weiterfahren. Offensichtlich stand er unter Schock, denn obwohl Gesicht und Hände aufgeschürft waren und er stark blutete, spürte er keine Schmerzen. Einen Helm hatte er nicht getragen und wie die meisten anderen Mopedfahrer fuhr er ohne Licht. Die Menschen sind so arm, dass sie sich kein neuen Birnchen leisten können. Wenn das alte einmal kaputt ist, fahren sie ohne Licht oder versuchen sich mit Schreibtisch- oder Taschenlampen auszuhelfen.

Nachdem das Motorad von der Straße geholt war und wir den Motorradfahrer in eine Decke gewickelt hatten, wollte unser Fahrer weiter. Wir bestanden aber daraf, auf den Krankenwagen zu warten, der angeblich gerufen worden war. Nach etwa einer halben Stunde stellte sich heraus, dass keine Ambulanz kommen würde. Wir wollten den Verletzten nicht sich selbst überlassen und redeten auf unseren Fahrer ein, ihn zum nächsten Krankenhaus zu fahren. Unser Fahrer weigerte sich. Er sagte, der Verletzte sei ein Soldat und wenn er im Van sterben würde, dann käme er als Fahrer ins Gefängnis.

Es hat uns eine halbe Stunde Überzeugungsarbeit gekostet, bis wir den blutenden Mann ins Auto setzen konnten. In der Zwischenzeit hatten die Jugendlichen, die aus dem nächstgelegnenen Dorf gekommen waren, das beschädigte Moped mitgenommen und unser Fahrer hatte mit der Frau des Verletzten telefoniert. Denn nur, wenn die Familie bescheid wusste und mitfuhr, war unser Fahrer auf der sicheren Seite, für den Fall, dass der Mann sterben sollte.

Nach einer halben Ewigkeit setzten wir uns also in Bewegung. Wir mussten erst zum Haus des Motorradfahrers. Dort stiegen seine Frau und seine zwei kleinen Kinder ein, bevor wir weiter in Richtung Krankenhaus fahren konnten. Die Strecke war holprig und lang. Bei jedem Schlagloch stöhnte der arme Mann auf. Wir waren alle heilfroh, als wir schließlich das Krankenhaus erreichten.

Dann kam der nächste Schock. Jeder deutsche Krankenwagen ist besser ausgestattet, als dieses Krankenhaus. Im Hof weidete eine Kuh und dem einzigen Arzt standen nur ein paar Spritzen und Sauerstoff zur Verfügung. So etwas wie ein Röntgengerät oder ähnliches hatte man hier nie gesehen. Dieser Feststellung ernüchterte uns. Wir fühlten uns auf einmal gar nicht mehr so gut aufgehoben in diesem Land. Sollte uns etwas passieren, dann wäre das nächste vernünftige Krankenhaus erst in Thailand. Außerdem würden die Einheimischen uns genau so eiskalt auf der Straße liegen lassen, wie diesen armen Kerl. Denn die Strecke, auf der wir ihn gefunden hatten, war stark befahren. Trotzdem waren wir die Einzigen, die angehalten hatten.

Mit zweistündiger Verspätung kamen wir schließlich in Vang Vieng an. Es war inzwischen halb zwölf nachts und weit und breit kein Taxi in Sicht. Ich ließ also den Bungalow, den ich online gebucht hatte, sausen und mietete mich mit den Anderen im Dorm des nächsten Backpacker Hostels ein. Um auf andere Gedanken zu kommen, gingen Carlos und ich noch eine Kleinigkeit essen und eine Runde spazieren bevor wir uns schlafen legten.

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Slowboat von Nong Kiao nach Luang Prabang

In Nong Kiao bin ich vor allem deshalb gelandet, weil mich Malte auf die Idee gebracht hatte von dort mit dem Boot nach Luang Prabang zu fahren. Was wir aber nicht wussten war, dass inzwischen ein Staudamm im Bau ist und daher kein regulärer Bootsverkehr Richtung Süden mehr stattfindet. Man kann nur noch privat Boote chartern, die einen bis zum Damm bringen. Von dort kann man entweder mit dem Minivan oder hinter dem Staudamm mit einem zweiten Boot weiterfahren. Ein solches Slowboat kann normalerweise 8-10 Personen transportieren und ist entsprechend teuer. Die Angebote reichten von 1 500 000 Kip bis 350 US-Dollar. Wir wollten aber diese Bootsfahrt unbedingt machen, denn schließlich sind wir extra deswegen nach Nong Kiao gekommen. Die folgenden zwei Abende fragten wir alle Leute, die uns über den Weg gelaufen sind, ob sie nicht mit uns im Boot nach Luang Prabang mitfahren wollten. Viele kamen aber gerade aus Luang Prabang oder hatten andere Pläne.

Wir waren schon kurz davor aufzugeben und den Bus zu nehmen, aber einen allerletzten Versuch wollten wir doch noch starten. Am Morgen packten wir unsere Sachen und wollten am Bootsanleger warten, um vielleicht auf irgendeinem Boot mitkommen. Während Claudia und ich frühstückten, ging Malte noch einmal zu einem der Touranbieter. Dieser hatte zwar ein Boot an dem Tag, das war aber schon ausgebucht. Als er zurück kam hatte er gute Nachrichten für uns. Wir durften doch noch mitfahren, wenn die Anderen, die das Boot gechartert hatten, einverstanden wären.

Wir fragten die nach und nach eintreffen Leute, ob wir noch mit dürften und sie hatten nichts dagegen.

unser Slowboat von Nong Kiao nach Süden

Kurze Zeit später ging es los. Das Longtailboat war nur mit sechs Autositzen ausgestattet, also mussten wir hinten mit den Holzbänken vorlieb nehmen. Malte machte es sich ganz hinten auf dem Boden gemütlich, wo er aber, ein bisschen unfreiwillig, sehr bald von einem jungen Franzosen abgelöst wurde. Knapp zwei Stunden fuhren wir durch die Landschaft. Vorbei an Karstbergen, Stränden und Dörfern. Dann waren wir am Damm angekomm und mussten auf einen Van umsteigen.

Ich hasse Minivans! Das hat mehrere Gründe. Zum einen werden diese oft völlig überladen, es ist also sehr eng und heiß, aber und vor allem fahren die Fahrer wie die Henker. Auf oft schlechten und kurvenreichen Strecken fahren sie viel zu schnell, schneiden Kurven und überholen rücksichtslos. So kam es dann auch, dass ich bei der ersten Bodenwelle mit voller Wucht gegen das Autodach geknallt bin.

Nächste Station: Luang Prabang.

Luang Prabang

Am frühen Nachmittag erreichten wir Luang Prabang. Malte hatte sich ein Backpackerdorm herausgesucht und Claudia und ich wollten uns ein Zimmer teilen. Wir fragten uns bei mehreren Guesthouses durch, die entweder voll oder zu teuer waren, bis wir schließlich doch ein annehmbares Zimmer fanden.

Luang Prabang ist ganz anders, als die anderen Städte, die ich bis dahin in Laos gesehen hatte. Es hat eher die Atmosphäre einer südfranzösischen Kleinstadt. Überall sind schicke Restaurants und Hotels, es gibt Bürgersteige (nicht selbstverständlich in Asien) und alles ist sauber und ordentlich.

Luang Prabang

Auf einem Hügel, dem Phou Si, im Zentrum, ist ein kleiner Tempel, von dessen Plattform aus man einen tollen Blick über die ganze Stadt hat. Außerdem kann man mit dem Boot zur Pak Ou Höhle fahren, in der eine ganze Armee von Buddhafiguren zu sehen ist. Es ist eine Art Friedhof für abgelegte Figuren.

Ein besonderes Highlight ist aber der Wasserfall Tad Kuang Xi, wo man in mintgrünen Pools baden kann. Leider hat mich eine Erkältung erwischt, so dass ich einen ganzen Tag im Hostel verbracht habe und dort hin nicht mit konnte. Malte ist alleine gefahren und kam völlig begeistert zurück.

Wir ließen es uns die nächsten Tage gut gehen. Gingen auf den Nachtmarkt, aßen lecker oder hingen in der Utopia Bar rum. Jeder, der in Luang Prabang ist, sollte dieser Bar besuchen. Man kann dort super abhängen und in der Horizontalen auf den Fluss schauen.

Utopia Bar, Luang Prabang

So ganz ohne etwas gesehen zu haben, wollte ich dann doch nicht aus Luang Prabang abreisen. An meinem letzten Tag habe ich also einen Sightseeing-Marathon eingelegt und mir als erstes den Königspalast angesehen. Er wurde erst Anfang des 20sten Jahrhunderts von den Franzosen gebaut und wirkte daher recht modern und westlich. Die Königsfamilie wohnte bis Mitte der 70er Jahre dort, so dass mir einige Einrichtungsgegenstände sehr vertraut vorkamen. Die Schlafzimmerkommode der Königin oder das Grammophon in der Bibliothek erinnerten mich sehr an das Mobiliar meiner Oma. Dass es noch gar nicht so lange her ist, als der letzte Bewohner den Palst verlassen hat, beweist auch ein Modell der Mondfähre. Es war ein Geschenk der USA an den König und steht nun in der Empfangshalle des Sekretärs. Alles in allem wirkte der ganze Palast nicht so bombastisch, wie ich es mir vorgestellt hatte. Ich hat eher den Eindruck durch die mit Erbstücken gespickte Villa einer wohlhabenden Familie zu laufen. Alles wirkte, als wäre es noch bewohnt.

Königspalast, Luang Prabang

Auf dem Gelände des Palastes ist im Ho Pra Bang, rechts des Eingangstores, der Pra Bang untergebracht. Der Pra Bang ist ein kleiner goldener Buddha, der sehr bedeutend ist und dem Luang Prabang seinen Namen zu verdanken hat. Trotz ihrer geringen Größe ist die gut 80cm große Figur beeindruckend und Ehrfurcht einflößend.

Der Fuhrpark des Königs war dagegen ein eher trauriger Anblick. Ein kleines Motorboot, drei Lincolns und ein Citroën sind alles, was er zu bieten hat. Alles und besonders der Citroën ist in sehr schlechtem Zustand. Die Polster sind zerfallen und der Rost frißt sich durch die Karosserie.

Leider darf in den Innenräumen auf dem Palastgelände nicht fotografiert werden. Zu gerne hätte ich euch hier ein paar Dinge, die ich gesehen habe, gezeigt.

Wat Xieng Thong, Ordinatshalle (Sim)

Obwohl ich schon mehr als genug Tempel gesehen hatte, wollte ich mir den ältesten Tempel Luang Prabangs, Wat Xieng Thong, anschauen. Dieser Tempel ist außergewöhnlich. Das Innere des Sim, der Ordinatshalle, ist rot und schwarz lackiert und mit goldenen Mustern verziert. Ein Gewirr aus Pfeilern und Balken zieht sich durch den Innenraum und quer durch die Halle verläuft eine Wasserleitung, die an der Außenwand im Rüssel eines aus Spiegelmosaiken zusammengesetzten Elefanten endet. Auf der Rückseite des Gebäudes ist ein Glasmosaik des Flammenbaums. Dieser soll dem Gründungsmythos Luang Prabangs nach zwei Asketen dazu veranlasst haben sich hier niederzulassen.

In der Begräbniskapelle ist raumfüllend der Begräbniswagen der Könige untergebracht. In der Urne auf dem Wagen wurde der Leichnahm des Königs in Embryonalstellung aufbewahrt, bis er kremiert wurden. Bei König Sisavangvong dauerte das ein Jahr. Die riesigen Dimensionen des Wagens und seine prächtige Ausstattung sprengen fast den kleinen Raum der Kapelle.

Begräbniswagen, Wat Xieng Thong, Luang Prabang

Am Nachmittag ging ich über die saisonale Bambusbrücke auf die andere Uferseite des Nam Khan. Ein Stück die Straße runter befinden sich die Handwerksdörfer Ban Xieng Lek und Ban Xang Kong. In Ban Xieng Lek ist ein Weberdorf. Ich sah dort Frauen beim Spinnen und Weben und kaufte einen wunderschönen Schal, an dem die Frau zwei Tage gewebt hatte, für nur 180000 Kip. In Ban Xang Kong kann man sehen, wie aus der Rinde des Maulbeerbaums Papier geschöpft wird. Als ich dort war, hat leider gerade niemand Papier hergestellt, aber es gab tolle Notizbücher und Alben zu kaufen, die ich schweren Herzens liegen ließ. Mein Rucksack wir auch so schon immer schwerer!

Frau beim Spinnen von Seide

So vergingen dann auch fünf Tage rasend schnell und ich musste weiterziehen. Claudia war schon zwei Tage vor mir abgereist und Malte wollte noch etwas bleiben. Wir gingen mit einem Freund von ihm an meinem letzten Abend Pizza essen. Malte hatte mir vergessen zu sagen, dass wir dazu mit dem Moped fahren würden und ich hatte einen Rock angezogen. Mit etwas Schieben und Zuppeln, war dieses Problem aber schnell gelöst und es ging über eine wackelige Brücke über den Fluss. Nach kurzer Fahrt, erreichten wir ein verstecktes Restaurant mit tollem italieitalienischen Essen. Ein echter Geheimtipp des Laoten. Nach zwei Bier in einer Bar, hieß es dann Abschied nehmen.

Am nächsten Morgen schlief ich aus und sah mir zum Abschluss das TAEC an. Das ist ein privat geführtes Museum, welches die Traditionen, Trachten und die Kunst der Minderheiten in Laos sehr anschaulich zeigt. Ein absolut lohnender Museumsbesuch. Allerdings verpasste ich so den Linienbus nach Vang Vieng. Mir blieb dann nichts anderes übrig, als den Minivan zu nehmen. Muss ich es noch einmal erwähnen?! Ich hasse Minivans! Ursprünglich hatte ich gar nicht vor nach Vang Vieng zu fahren, sondern wollte eigentlich nach Phonsavan zu den Tonkrügen. Malte hatte mich über Tage hinweg überzeugt, dass es außer den Tonkrügen dort nichts zu sehen gäbe und Vang Vieng sowieso viel spannender sei. Nun fuhr ich aber alleine an einen Ort, zu dem ich eigentlich nicht hin wollte und das auch noch in einem Minivan! Meine Laune war dem entsprechend schlecht, als mein Pickup zum Busbahnhof kam. Ich war die Erste, die abgeholt wurde und ahnte nicht, was mich erwartete.

Nong Kiao – Das unerwartete Paradies

Nachdem wir drei Stunden im Bus verbraucht haben, kamen wir schließlich in Nong Kiao an. Unterwegs, in Parkmong, mussten wir vom Linienbus auf den Minibus umsteigen. Die Straßen waren schlecht. Der Fahrer fuhr slalom, um den größten Schlaglöchern auszuweichen, musste dabei aber kleinere in Kauf nehmen. Bus fahren in Laos verlangt nach einem eigenen Artikel. Es ist ein echtes Abenteuer und stellenweise eine Tortur.

Nong Kiao

Nong Kiao liegt am Nam Ou, einem kleine Fluss, der sich durch eindrucksvolle Karstberge schlängelt. Es gibt gemütliche Restaurants und Bars, man kann sich massieren lassen oder einen Ausflug in die Umgebung unternehmen. Eigentlich hat dieser Ort nichts Besonderes zu bieten, nur die üblichen Aktivitäten, die man überall in Laos machen kann. Trotzdem ist es ein Ort, von dem ich mich schwer trennen konnte. Die Atmosphäre ist sehr entspannt. Man kann einfach die Seele baumeln lassen.

Am Tag unserer Ankunft brannte es an verschiedenen Stellen im Wald oberhalb der Stadt. Auch die Einheimischen waren beunruhigt. Es wird zwar regelmäßig gerodet, aber zu einer anderen Jahreszeit und niemand wusste, wer die Feuer gelegt hatte. Eines der Feuer brannte nicht weit von meinem Bungalow entfernt. Es lag Rauch in der Luft und das Feuer erzeute ein beängstigendes Tosen. Es prasselte und knackte und fraß sich durch die trockenen Bäume immer näher zur Stadt hin. Wir hatten alle unsere wichtigsten Sachen in einen kleinen Rucksack gepackt, für den Fall, dass evakuiert würde. Ich schlief sehr unruhig, wachte immer wieder auf um zu sehen, ob es verbrannt roch oder Stimmen zu hören waren. Am nächsten Morgen waren die Feuer fast erloschen und es qualmte nur noch an einzelnen Stellen. Am Abend brannte es dann auf der anderen Seite des Berges weiter entfernt.

Der Wald oberhalb von Nong Kiao brennt

Drei Tage habe ich in Nong Kiao verbracht. Im Hostel, wo Malte abgestiegen war, war es so gemütlich, dass ich dort oft im Café saß. Da habe ich dann auch eine Österreicherin, Claudia,  kennengelernt. Am zweiten Tag wollten wir uns zusammen die Pathok Höhle ansehen, die nur gut einen Kilometer von der Stadt entfernt liegt. Wir waren schon recht spät dran und die letzten Touristen dort. Unterwegs sind wir schon von anderen gewarnt worden, dass uns ungefragt Kinder mit Taschenlampen begleiten und später Geld dafür verlangen würden. Gleich am Eingang, wo man 5.000 Kip für den Eintritt zahlen muss, warteten dann auch schon welche, die wir schließlich doch davon abhalten konnten uns zu folgen. Es dämmerte schon, als wir die Treppe zur Höhle rauf stiegen. Kaum waren wir oben, kamen uns zwei junge laotische Männer hinterher. Wir bekamen es mit der Angst zu tun und trauten uns schließlich nicht weiter als bis zum Eingang der Höhle, wo eine größere Gruppe Laoten herumstand. Vielleicht haben wir uns da gegenseitig Angst eingeredet, aber die Situation war uns unheimlich. Diese Höhle ist eine typische Touristenattraktion und Einheimische schauen sich sowas normalerweise nicht an.
Am nächten Tag stiegen wir zu dritt, mit Malte, zum View Point rauf. Es war heiß, steil und rutschig. Nach dem zweiten Rastplatz wollte ich aufgeben, aber Malte redete mir gut zu und blieb hartnäckig. Ich ließ mich überreden, schaffte es schließlich bis zum Gipfel und wurde mit einer tollen Aussicht belohnt! Hätten wir Schlafsäcke und Jacken dabei gehabt, dann hätte wir oben sogar auf einem überdachten Holzgerüst übernachten können.
Als wir abstiegen, wurde es langsam dunkel und wir mussten uns beeilen, um aus dem unwegsamen Gelände heraus zu kommen. Im Nachhinein kann ich jedem nur empfehlen, am Morgen zum View Point rauf zu steigen, genug Wasser und feste Schuhe mitzunehmen. Der Eintritt kostet 20.000 Kip, die sich lohnen. Man sollte aber die ausgetretenen Pfade nicht verlassen, weil die Gegend Ende der 1960er eine der am stärksten bombardierten war und immer noch viele Blindgänger im Gelände verstreut sind.

Laos, ich komme! – von Chiang Khong nach Louang Namtha

Ich habe das Schreiben wieder ein Wenig vernachlässigt. Inzwischen ist viel passiert. Seit fast zwei Wochen bin ich in Laos unterwegs.
Da ich nicht den üblichen zwei Tagestrip mit dem Slowboat nach Luang Prabang machen wollte, fuhr ich erstmal mit dem Bus nach Luang Namtha.
Nach dem Frühstück mit Danny, brach ich Richtung Pier auf, wo man über den Mekong und somit die Grenze übersetzten konnte. Ich kam kaum 50 Meter weit, da winkte mir ein Thai zu und gab mir zu verstehen, dass die Grenze zu sei. Er bot mir dann auch direkt einen Carsevice zur Freundschaftsbrücke an, die etwa 10 km südlich der Stadt lag. Ich glaubte ihm kein Wort und dachte, dass er ein wenig Geld verdienen wolle. Also bedankte ich mich freundlich und ging unbeirrt weiter. Keine zehn Schritte später hielt eine Frau mit ihrem Roller neben mir und sagte mir auch, die Grenze sei geschlossen, aber sie würde mich für 100 Baht zum nächsten Grenzübergang bringen. Ich dachte, sie gehöre zu dem Mann, der mir zuvor den Carsevice angeboten hatte und lehnte ihr Angebot ab. Kurze Zeit später kam mir ein Tuk Tuk-Fahrer entgegen, der mir wieder das Gleiche erzählte. Ich begannn zu zweifeln und ließ mich, nachdem ich ihn von 150 auf 100 Baht runtergehandelt hatte, doch zur Brücke fahren. Unterwegs ärgerte ich mich, weil ich den Eindruck hatte betrogen worden zu sein. Ich sah dann auch noch von Weitem, dass Longtailboote über den Fluss übersetzten. Später erfuhr ich, dass nur noch Thais die Grenze mit dem Boot überqueren dürfen, seit die Brücke in Betrieb ist.

Visum Laos

Der Grenzübertritt nach Laos dauerte sehr lange, obwohl außer mir nur vier andere Touristen da waren. Erst musste ich ein Busticket für 25 Baht kaufen, dann bekam ich meinen Ausreisestempel und wartete anschließend etwa 20 Minuten, bis der Bus losfuhr. Auf der laotischen Seite bekam ich am Schalter für das Visa on Arrival zwei Formulare in doppelter Ausführung. Als ich eines ausgefüllt hatte, fragte ich den Belgier neben mir, ob wir das wirklich zweimal ausfüllen müssten. Er gab nur einen Brummlaut von sich, den ich als ein Ja verstand. Nachdem ich also sämtliche Angaben zu meiner Person, meinem Pass und dem Grund meines Besuches viermal ausgefüllt hatte, gab ich die gesammelten Werke dem Grenzbeamten. Dieser verglich mehrfach die einzelnen Zettel untereinander und gab mir jeweils ein Exemplar zurück. Als ich ihn fragte, ob ich das nur einmal hätte ausfüllen sollen, sagte er mir mit asiatischer Höflichkeit, dass ich die Formulare fürs nächste Mal verwenden könne. Hätte ich ahnen können, dass von vornherein zwei Formulare ausgegeben werden, weil die dummen Touristen sich offenbar immer verschreiben?

Obwohl sonst niemand außer uns fünf da war, mussten wir warten, bis der eine Beamte unsere Pässe an den neben ihm sitzenden Beamten weiterreichte. Dieser blickte nachdenklich auf das 30 Tage-Visum, das der erste schon eigeklebt hatte, und rief uns dann einzeln auf um 30 $ von jedem zu kassieren. Mit Visum und Pass marschierte ich dann unbehelligt durch die Passkontrolle, ohne dass nochmal jemand beides hätte sehen wollen. Draußen saßen schon die anderen Vier im Tuk Tuk.

Bushaltestelle in Houay Xay, Laos

Ich ließ mich an der Bushaltestelle von Houay Xay absetzten. Laut Internet sollte um 14 Uhr ein Bus nach Luang Namtha fahren. Auf der Tafel stand aber als letzte Verbindung ein Bus um 12:30 Uhr. Inzwischen war es aber schon 13:30 Uhr. Mal wieder stand ich am Schalter und hoffte irgendwie doch noch an mein Ziel zu kommen. Und ich hatte Glück! Um 16 Uhr fuhr ein Bus nach Luang Prabang, der auch in Luang Namtha hielt. Mitten im Nirgendwo schlug ich die zweieinhalb Stunden bis zur Abfahrt tot. Kurz vor 16 Uhr tauchten zwei weitere Ausländer auf, die sich auf Deutsch unterhielten. Ich fragte sie, ob sie nach Luang Namtha führen. Einer von beiden, Malte, wollte auch in Luang Namtha aussteigen, der andere fuhr weiter nach Luang Prabang. Während der kurvenreichen Fahrt unterhielten wir uns, so dass die knapp vier Stunden schnell vergingen.

Im Dunkeln kamen wir an unserem Ziel an. Ich hatte vorher schon auf der Karte in meinem Reiseführer gesehen, dass meine Unterkunft nicht weit von der Bushaltestelle sein konnte. Auch Malte war, nach einem Blick auf Googlemaps, der Meinung, es seien nur 3,5 km bis zur Stadt. Als uns der einzige Tuk Tuk-Fahrer weit und breit zu teuer vorkam, beschlossen wir zu Fuß zu gehen. Kaum waren wir ein paar Schritte die dunkle Landstraße entlang gelaufen, fuhr uns das Tuk Tuk hinterher. Spätestens jetzt hätte ich es mit der Angst zu tun bekommen, wenn ich alleine gewesen wäre. Der Fahrer erzählte uns es seien 10 km bis in die Stadt und er verlange nur den Preis, den er auch von einem Laoten verlangen würde. Wir ließen uns nicht darauf ein und stiegen erst ein, als er mit unserem Preis einverstanden war.

Es waren dann wirklich etwa 10 km bis ins Zentrum. Die Bushaltestelle,  die ich auf dem Stadtplan gesehen hatte, war für den Lokalbus und Googlemaps berechnete nur die Strecke bis zum Ortseingang.

Luang Namtha war auf den ersten Blick so trostlos und trist, dass ich am liebsten gleich weiter gefahren wäre. Mein Hotel war gebucht und der Bus schon weg, also blieb mir nichts anderes übrig, als bis zum nächsten Morgen auszuhalten. Das Hotel war echt übel und das laotische Personal auch gar nicht so freundlich, wie ich erwarte hatte. Das Bettlaken war schmutzig, die Dusche war eklig und kalt, obwohl ich mit Warmwasser gebucht hatte. Im Zimmer waren überall Moskitos und so wirklich sicher fühlte ich mich auch nicht, weil sich die Tür nicht verriegeln ließ. Ich schlief also ungeduscht, angezogen, im Schlafsack unter meinem viel zu kleinen Moskitonetz und fror in dem klammen Bett. Vielleicht könnt ihr euch vorstellen, dass die Nacht nicht besonders erholsamen für mich war.

Am nächten Morgen packte ich zusammen und ging erstmal frühstücken. Bei Tageslicht sah der Ort nur noch halb so schlimm aus. Malte hatte mir am Abend erzählt, dass er eine Radtour machen wolle. Im Reiseführer laß ich von einem 18 km langen Rundwege, auf dem mehrere authentische Dörfer, ein Tempel (Wen wundert’s?) und malerische Reisfelder zu sehen sind. Ich beschloss doch noch eine Nacht in Luang Namtha zu bleiben und suchte mir eine schönere Unterkunft. Als ich ins Zuela Guesthouse umgezogen war, meldete sich Malte bei mir und wir verabredeten uns, um die Radtour zusammen zu machen.

Reisfeld in der Nähe von Luang Namtha, Laos

Wir mieten uns zwei Mountainbikes und radelten los. Bis zum Tempel „Thad Phoum Phouk“ war es nicht weit. Naja, Tempel trifft es nicht ganz. Es war eigentlich nur ein goldener Reliquienturm, der neben der Ruine des ursprünglichen Stupa stand. Dieser wurde im zweiten Indochinakrieg gleich zweimal von Bomben getroffen und bis auf die Bodenplatte gespalten. Außerdem gab es noch Reisfelder und eine Whisky-Brennerei zu sehen. Die Brennerei suchten wir vergeblich, dafür konnten wir live dabei zusehen, wie in einem der Dörfer „Lao Lao“, Reisschnaps, in einem Ölfass gebrannt wurde. Dieser wird auch Laowhisky genannt.

Altes Ölfass in dem Laowhisky gebrannt wird – im Trichter befinden sich Kräuter

Ich freute mich über Maltes Gesellschaft, denn alleine hätte ich diese Tour sicher nicht gemacht. Der letzte Abschnitt der Rundtour führte uns zum Wasserfall „Tad Nam Di“. Über eine mehr als holperige Strecke ging es an einem Lanten-Dorf vofbei, leicht den Hügel rauf. Auch der Wasserfall stellte sich als wenig spektakulär heraus. Alles in allem ein netter Ausflug, der aber einen Zwischenstop in Luang Namtha nicht lohnt.

Ich wollte dann auch so schnell wie möglich weiter. Malte schloss sich mir an und wir fuhren am Morgen mit dem Bus nach Nong Kiao.
Nächste Station: Nong Kiao.

Von Chiang Mai nach Chiang Khong – unsere Wege trennen sich

Vom Kloster aus brachen wir um 7 Uhr auf. Vinnie hatte einen Flug nach Bangkok gebucht und ich wollte mit dem Bus an die laotische Grenze. Nach zehn Tagen würden sich unsere Wege also wieder trennen.
Nachdem ich mit dem Sammeltaxi 45 Minuten durch Chiang Mai gegurkt bin und Vinnie unterwegs am Flughafen ausgestiegen war, war ich endlich am Busbahnhof angekommen. Laut Internet sollte um 8:30 Uhr ein Bus nach Chiang Khong fahren, tatsächlich gab es aber nur einen um 9 Uhr und der war ausgebucht. Der nächste Bus sollte dann erst vier Stunden später fahren. Als die Frau am Ticketschalter meinen verzweifelten Gesichtsausdruck sah, schlug sie mir vor, den Bus um 9:30 Uhr nach Chiang Rai zu nehmen und von dort den Lokalbus nach Chiang Khong.

Busbahnhof in Chiang Rai

Ich fuhr also einigermaßen bequem dreieinhalb Stunden nach Chiang Rai und stieg dort gegen 13 Uhr in den Lokalbus um. Dieser war um einiges kleiner und klappriger, aber was mich wirklich störte, war der mehr als knapp bemessene Sitzabstand. Ich bin mit meinen 1,71 m für europäische Verhältnisse durchschnittlich groß, aber ich konnte nur quer sitzen. Als mein Vordermann dann auch noch seine Rückenlehne nach hinten kippte, war es ganz aus.

Etwas knapp! – der Sitzabstand im Lokalbus

Weitere drei Stunden später bin ich, kurz vor der Thrombose, in Chiang Khong angekommen. Auf dem Stadtplan schien mir das Hotel, das ich im Voraus gebucht hatte, nicht weit zu sein. Ich lief also mit meinen knapp 20kg Gepäck in der prallen Sonne Richtung Innenstadt. Nach dreimaligem Fragen und einem Umweg, auf den man mich geschickt hatte, kam ich 45 Minuten später,  schweißgebadet und dem Kollaps nahe, am Day Waterfront Hotel an. Der Hotelier empfing mich herzlich, reichte mir erstmal eine Flasche Wasser und bugsierte mich auf eine Sitzbank.
Das Hotel war das beste, das ich seit Tagen gesehen hatte. Sollte ich jemals wieder nach Chiang Khong kommen, dann würde ich wieder dort übernachten. Von meinem Balkon aus hatte ich dann auch den ersten Blick auf Laos. Es war schon ein seltsames Gefühl an der Grenze zu stehen und nur den Mekong zwischen mir und Laos zu haben.

Meine Aussicht vom Balkon auf den Mekong und Laos

Chiang Khong musss man nicht gesehen haben. Eine Grenzstadt, wie viele andere. Natürlich gibt es auch hier einen goldgeschmückten Tempel, den man sich anschauen kann, aber insgesammt ist die Sicht über dem Mekong auf Laos, das einzige Highlight.

Chiang Khong

Nach einer Dusche, ging ich auf Futtersuche und gönnte mir den vorerst letzten Iced Thaitea with Milk. Bei der Gelegenheit lernte ich den ersten deutschen Traveler meiner Reise kennen. Mit Danny aus Leipzig unterhielt ich mich schließlich etwa vier Stunden lang über Gott und die Welt. Das beste und tiefgründigste Gespräch seit sehr langer Zeit. Wir verabredeten uns fürs Frühstück, nachdem ich dann nach Laos aufbrechen wollte.

Meditation in Wat Umong – wusste nicht, wie schwer es ist nichts zu tun und nichts zu denken

Nach unserem Jungletrip wollten Vinnie und ich uns ein wenig Ruhe gönnen. Wo kann man das besser, als in einem Kloster? Wir machten uns in Chiang Mai auf die Suche nach einem Meditationskurs. In Wat Umong, unweit der Universität, wurden wir fündig. Dort kann man 3-28 Tage bleiben. Wir buchten für vier Tage. Pro Nacht zahlten wir 200 Baht, einmalig 90 Baht für das Bettzeug und weitere 350 Baht für unsere „Häftlingskleidung“. Am nächsten Tag sollten wir um 8:30 Uhr dort sein, weil wir um 9 Uhr die erste Unterweisung bekommen sollten. Essen würde es nur um 7 Uhr und um 11 Uhr geben. Aufstehen müssten wir um 4 Uhr und Schlafenszeit wäre um 21 Uhr.

Meditationszentrum Wat Umong

Am Abend kamen uns Zweifel. Sollten wir wirklich an einem so paradiesischen Ort wie Thailand vier Tage damit verbringen zu hungern und uns mitten in der Nacht aus dem Bett zu quälen? In unserer Torschlusspanik aßen wir alles, was uns auf dem Nachtmarkt ins Auge sprang, bis uns schlecht wurde.
Am nächsten Morgen machten wir uns dann doch auf den Weg zum Tempel. Man gab jedem von uns eine eigene Zelle, einen 2,5 m x 2,5 m großen Raum ganz für uns alleine. Ich hatte sogar einen kleinen Balkon (ca. 0,5 m x 2,5 m). Das war mehr, als wir erwartet hatten. Wir hatten uns darauf eingestellt in einem Schlafsaal übernachten zu müssen. Gut, sowas wie eine Matratze gab es nicht, stattdessen lagen wir auf einer Matte und einer Wolldecke und aus der Dusche kam nur kaltes Wasser, aber das Kloster war wirklich sehr schön.
Wat Umong ist ein Tempel innerhalb eines kleinen Waldes. Es gibt einen See und als kleine Besonderheit einen Tunnel in dem in kleinen Nieschen Altäre stehen. Daher hatt der Tempel auch den Namen Umong. Ein herrliches Plätzchen, um zu entspannen!

Tunnel von Wat Umong

Bei unserer ersten Unterrichtsstunde erzählte uns ein sehr unterhaltsamer Mönch etwas über gutes und schlechtes Karma und dass man dieses nicht ansparen könne, sondern jedes Mal aufs Neue entscheide, wie man sich verhält. Dann erklärte er uns verschiedene Arten der Atemmeditation, die wir für uns ausprobieren sollten. Mit diesen spärlichen Anweisungen ließ er uns dann alleine. Wir gingen in die Meditationshalle und versuchten uns auf unseren Atem zu konzentrieren. Das klang leichter, als es tatsächlich war. Ich erwischte mich immer wieder dabei, wie ich über alles Mögliche nachdachte.
In den kommenden Tagen, machte es mich nahezu wahnsinnig, den ganzen Tag nichts weiter zu tun, als mich nach innen zu konzentrieren. Weiß gekleidet schlichen wir über das Gelände oder saßen in oder um die Meditationshalle und schwierigen uns an. Vor dem Frühstück und am späten Nachmittag kehrten wir den Bereich rund um das Meditationszentrum, dass war die einzige Beschäftigung, außer der Meditation, die man uns genehmigte. Niemand verbot uns etwas. Die Mönche waren alles andere als streng. Sie sagten, wir sollten tun, was immer wir glaubten tun zu müssen. Sie empfahlen uns aber, uns nicht zu unterhalten und auch nicht zu lesen, weil uns das von der Meditation ablenken würde. Auch wenn man sie selten sah, haben sie sehr genau beobachtet, was wir taten. Eines Tages sah ich unseren Lehrmeister morgens um 5:30 Uhr um die Meditationshalle schleichen. Da er uns um diese Uhrzeit nicht unterrichtete und die Mönche dort selbst nicht meditierten, muss er kontrolliert haben, wer schon wach und fleißig war.

Meditationshalle in Wat Umong

Irgendwie konnten weder Vinnie noch ich uns wirklich auf die Meditation einlassen. Ich kam mir zunehmend vor wie die Patientin einer Irrenanstalt. Mehr und mehr verbrachten wir unsere Zeit im nahegelegenen Café und versorgten uns im Supermarkt oder in den Garküchen um die Ecke mit Essen.
Besonders komisch fand ich, dass sich niemand von den Abreisenden verabschiedete. Es waren so viele Leute aus aller Welt in diesem Meditationszentrum, aber zum Teil wußte man gar nicht, wo die Leute herkamen. Es sprach ja keiner mit dem Anderen. Auch wir gingen, ohne dass jemand davon Notiz genommen hätte, geschweige denn Kontakte ausgetauscht worden wären.

Trotz allem war es eine tolle Erfahrung in Wat Umong gewesen zu sein. Ich habe außerdem ein paar Dinge gelernt, die ich in Zukunft anwenden werde. Mir ist klar geworden, dass meine Gedanken oft um die Zukunft kreisen. Ich denke darüber nach, was ich noch tun muss, schmiede Pläne oder freue mich auf etwas. Gelegentlich denke ich auch über die Vergangenheit nach, wie etwas verlaufen ist, was ich hätte anders machen können oder ich erinnere mich an bestimmte Erlebnisse. Viel zu selten genieße ich einfach den Augenblick. Ich will mehr in der Gegenwart bleiben. Den Monemt wahrnehmen und meine Aufmerksamkeit auf das Hier und Jetzt richten.
Unser Lehrer sagte auch, man könne nicht etwas einfordern, dass man selbst nicht vorher gegeben hat. Dieser Gedanke ist mir zwar nicht neu gewesen, aber ich hatte ihn vorher nie so richtig erfasst. Er sagte, man kann nicht erwarten, dass einem jemand Liebe entgegen bringt, wenn man selbst den anderen nicht liebt. „Loving kindness“, gab er uns als Leitspruch mit auf den Weg.